Green Wave – auf den Weg nach Polen

Green Wave – die Fühler Richtung Osten austrecken.
Rund 300 Pfadfinder aus ganz Deutschland waren aufgerufen mit etwa der gleichen Zahl an Pfadfindern aus Polen, Estland, Lettland und Litauen, die in diesem Jahr der Europäischen Union beigetreten sind, das Baltikum zu erkunden und einander zu begegnen.

Am 23.Juli ging es am Dortmunder Hauptbahnhof – bewaffnet mit 1 kg Müsliriegeln – los. Unser erstes Ziel war Berlin, wo das Auftaktlager stattfand. Die Organisatoren hatten schon lange im Voraus eine Reihe von Projekten vorbereitet, aus denen sich jede teilnehmende Pfadfindergruppe eins heraussuchen konnte. Viele der Projekte waren schon früh ausgebucht, wir entschieden uns für das Projekt „Clean Tatra“.

Bei einer Stadtrallye in Berlin rund um das Thema „Heimat“ lernten wir die anderen Pfadi-Gruppen kennen, die mit uns zusammen in die Tatra fahren wollten. Die Fahrt nach Zakopane wird uns immer in Erinnerung bleiben, da der Busfahrer in Krakau seine Lenkzeit erreicht hatte. So waren wir mitten in der Nacht in Krakau gestrandet. Über 100 km von unserem Zeltplatz entfernt.

Und nun?

Die Pfadfinder aus Krakau konnten mit viel Talent einen Bus samt Fahrer organisieren. Jedoch war es für den einen oder anderen Pfadfinder besser, die Fahrt zu verschlafen. Ansonsten musste der Magen einiges aushalten können. Aber nachts um 3 Uhr war keiner mehr wählerisch und wir waren sehr froh, als wir endlich das Ziel erreicht hatten.

Von unserem Camp aus hätten wir eigentlich die Berge sehen sollen, doch die tiefhängenden Wolken mit dem Dauerregen verhinderten dies fortwährend. Nach der dritten Nacht waren die Militärzelte, die wir zur Verfügung hatten, so weit durchgeweicht, dass wir notgedrungen in das Haus am Platz umziehen mussten.

Es war aber auch unglaublich, was unsere Gastgeber als Alternativprogramm aus dem Ärmel schüttelten. Denn für „Clean Tatra“ war das Wetter viel zu schlecht. Wege waren unpassierbar, aus Bächen sind reißende Ströme geworden. So lernten wir jede Menge Spiele voneinander und hatten viel Spaß beim erste Hilfe Kurs. Wir erkundeten Zakopane und besichtigten eine Käserei, in der geräucherter Käse hergestellt wird. Auch ein improvisiertes Lagerfeuer im Keller mit Kerzen stand auf dem Programm.

Trotz des schlechten Wetters futterten wir uns bravourös durch die Eistruhe und warteten sehnsüchtig auf Nachschub und besseres Wetter. Als es endlich aufklarte, tauchte ein beeindruckendes Panorama vor unseren Augen auf, das wir beinahe nur für ein Gerücht gehalten hätten.

Und so ging es endlich los, endlich raus in die Natur und rein in die Berge. Doch leider fanden wir sehr viel Müll und wurden uns bewusst, wie wichtig unser Projekt Clean Tatra wirklich ist. Doch durch die Schlechtwettertage war nicht mehr so viel Zeit für diese Projekt übrig.

Als krönenden Abschluss bestiegen wir noch einen Gipfel. Dabei mussten wir uns eingestehen, dass die Kondition unserer gastgebenden Pfadfinder um einiges besser als unsere eigene. So riss unsere Gruppe sehr schnell auseinander und wir wurden uns wieder bewusst, wie wichtig es ist, auf das schwächste Mitglied der Gruppe zu achten und unsere Geschwindigkeit einander anzupassen.

Immer wieder wurden wir auch von Kutschen mit Familien und älteren Menschen überholt, die einen Ausflug zu einem, der wunderschönen Seen unternahmen. Wir gingen noch weiter – Richtung Gipfel. Doch kaum oben angekommen ging es nach einer kurzen Pause auch schon wieder mit der Gondelbahn in Richtung Tal.

Kaum hatten wir die Schönheiten der Tatra erkunden können, hieß es schon wieder Abschied nehmen. Für das Abschlusslager fuhren wir mit der Bahn einmal quer durch Polen nach Jaroslawiec an die Ostsee.

Und dort standen wir erst einmal mit großen Augen da und konnten kaum den Lagerplatz überblicken. Etwa 700 Pfadfinder aus 10 Nationen kamen zusammen. Ohne Fühung hätten wir uns auf dem Platz wohl kaum zurechtgefunden und unseren zugewiesenen Zeltplatz nicht so schnell entdeckt. Selbst der Weg zu der Toilettenstation sollte mit Vorlauf geplant werden, da dies nicht unter 10 Minuten zu schaffen war.  Alternativ standen natürlich Dixies zur Verfügung, aber wer mag da schon gerne hin gehen?

So verbrachten wir die letzten Tage des Lagers mit vielen Aktionen, Spielen, Singen, riesigen Lagerfeuern und wer wollte, konnte auch einen Matsch-Parcour absolvieren. Einige von uns übernachteten die letzte Nacht direkt am Strand und legten dort am Lagerfeuer ihr Pfadfinderversprechen ab. Das unsanfte Wecken durch die Ostsee war nicht auf die schwach ausgeprägten Gezeiten zurückzuführen.

Nach dem Abschlussgottesdienst bestiegen wir den Bus nach Berlin und fuhren von da aus mit dem Zug nach Dortmund.

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